Symbolbild: Planfeststellungsverfahren

So funk­tio­niert das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren

22.12.2022

Be­vor die Bag­ger für den Aus­bau der S 11 zwi­schen Köln und Ber­gisch Glad­bach rol­len kön­nen, steht für das Bau­pro­jekt die wich­tigs­te Hür­de des ge­sam­ten Pla­nungs­pro­zes­ses an: das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren. Für den Pla­nungs­ab­schnitt Bahn­hof Ber­gisch Glad­bach – Tan­nen­berg­stra­ße soll es noch in die­sem Jahr star­ten. Doch wie läuft so ein Ver­fah­ren ei­gent­lich ge­nau ab und wes­halb ist es not­wen­dig?

Was ist ein Planfeststellungsverfahren?

Die Plan­fest­stel­lung ist ein for­ma­les Ver­wal­tungs­ver­fah­ren, das im­mer dann ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben ist, wenn sich durch ein Bau­pro­jekt auf der Schie­ne we­sent­li­che Än­de­run­gen an der Stre­cke er­ge­ben. Bei­spie­le sind der Neu­bau von Glei­sen oder eine Er­wei­te­rung der Stre­cke um min­des­tens ein Gleis. Zu­stän­dig für das Ver­fah­ren ist die un­ab­hän­gi­ge Prüf­be­hör­de Ei­sen­bahn-Bun­des­amt (EBA).

Im Zuge die­ses Ver­fah­rens wer­den alle für das Vor­ha­ben re­le­van­ten tech­ni­schen und recht­li­chen Aspek­te ge­prüft. Un­ter an­de­rem wird kon­trol­liert, ob die Pla­nung der Deut­schen Bahn (DB) alle gel­ten­den Re­geln und Si­cher­heits­stan­dards ein­hält und so­mit recht­mä­ßig ist. Au­ßer­dem über­prüft das EBA, ob alle pri­va­ten wie öf­fent­li­chen Be­lan­ge, zum Bei­spiel pri­va­tes Ei­gen­tum oder Na­tur­schutz, aus­rei­chend be­rück­sich­tigt sind.

Kommt das EBA nach Ab­schluss al­ler Über­prü­fun­gen und der Be­tei­li­gung der Öf­fent­lich­keit zu dem Schluss, dass dies je­weils der Fall ist, er­teilt das EBA für das Bau­vor­ha­ben den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss. Die Be­son­der­heit des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses ist die Kon­zen­tra­ti­ons­wir­kung. Dies be­deu­tet, dass mit dem Plan­fest­stel­lungs­be­schluss alle not­wen­di­gen Ge­neh­mi­gun­gen für das Vor­ha­ben er­teilt wer­den und kei­ne ein­zel­nen Ge­neh­mi­gun­gen be­nö­tigt wer­den.

Die Ge­samt­dau­er des Ver­fah­rens lässt sich für je­des ein­zel­ne Pro­jekt nur schwer ab­schät­zen, weil sie je­weils von den in­di­vi­du­el­len Ge­ge­ben­hei­ten vor Ort ab­hängt. So kann sich das Ver­fah­ren zum Bei­spiel durch Ein­wän­de von Pri­vat­per­so­nen und Na­tur­schutz­ver­bän­den ver­län­gern. Oft­mals sind aber meh­re­re Jah­re für das Ver­fah­ren not­wen­dig. Es macht also ei­nen nicht un­we­sent­li­chen An­teil der Ge­samt­dau­er ei­nes Vor­ha­bens auf der Schie­ne aus, die in Deutsch­land im Schnitt 20 Jah­re dau­ern. Etwa zwei Drit­tel da­von sind Pla­nungs­zei­ten, wäh­rend die ei­gent­li­che Bau­pha­se im Schnitt etwa sie­ben Jah­re dau­ert.

Die einzelnen Schritte des Planfeststellungsverfahrens

Schritt 1: Die DB reicht ei­nen Plan­fest­stel­lungs­an­trag ein

Nach vie­len Jah­ren der Pla­nung ist es so­weit: die Pla­nun­gen sind aus Sicht der Deut­schen Bahn ab­ge­schlos­sen, alle maß­geb­li­chen Un­ter­la­gen für den Plan­fest­stel­lungs­an­trag lie­gen vor. Ge­mein­sam mit ih­ren In­ge­nieur­bü­ros hat die DB ein de­tail­lier­tes und vor al­lem rea­li­sier­ba­res Kon­zept für das Aus­bau­vor­ha­ben er­ar­bei­tet, in das zahl­rei­che Un­ter­su­chun­gen wie zur Grund­was­ser­si­tua­ti­on im Um­feld der Bahn­stre­cke ge­flos­sen sind. Beim Aus­bau der S 11 konn­ten zu­sätz­lich dazu zahl­rei­che An­mer­kun­gen von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern in die Pla­nun­gen mit­auf­ge­nom­men wer­den, die sich weit vor Start des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens am Bür­ger­dia­log zum Aus­bau­pro­jekt be­tei­ligt ha­ben. Nun kann die DB den An­trag auf Fest­stel­lung beim Ei­sen­bahn-Bun­des­amt stel­len, in dem sie dort ihre Pla­nungs­un­ter­la­gen ein­reicht. Die­se um­fas­sen häu­fig Hun­der­te von Sei­ten. Da­mit be­ginnt das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren.

Schritt 2: Das EBA prüft den An­trag der DB

Der An­trag der DB ist nun beim Ei­sen­bahn-Bun­des­amt (EBA) ein­ge­gan­gen. Im ers­ten Schritt über­prü­fen die Mit­ar­bei­ten­den der Be­hör­de, ob die ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen voll­stän­dig sind, so­dass sie das Bau­vor­ha­ben auf der Schie­ne nach­voll­zieh­bar ab­bil­den. Zu­dem wird ge­prüft, ob die Un­ter­la­gen dazu ge­eig­net sind in der Öf­fent­lich­keit aus­ge­legt zu wer­den, da­mit Ein­wen­dun­gen ver­fasst wer­den kön­nen. Auch wird der An­trag auf of­fen­sicht­li­che Män­gel über­prüft und es wird kon­trol­liert, ob die Un­ter­la­gen un­ter­ein­an­der Wi­der­sprü­che her­vor­ru­fen. Bei schwer­wie­gen­den Män­geln an den An­trags­un­ter­la­gen lehnt das EBA den An­trag ohne jeg­li­che Rück­fra­gen ab. Bei klei­ne­ren Män­geln hat die DB ein­ma­lig Ge­le­gen­heit, sich in­ner­halb der fest­ge­setz­ten Frist zu äu­ßern so­wie die An­trags­un­ter­la­gen zu ver­voll­stän­di­gen bzw. zu be­rich­ti­gen.

Schritt 3: Ein An­hö­rungs­ver­fah­ren wird durch­ge­führt

Ent­spre­chen die Un­ter­la­gen den An­for­de­run­gen, führt das Ei­sen­bahn-Bun­des­amt ein An­hö­rungs­ver­fah­ren durch. Die­ser Ver­fah­rens­schritt ist ein ganz zen­tra­ler Be­stand­teil des Ver­fah­rens, da es dem Ei­sen­bahn-Bun­des­amt die Ab­wä­gung zwi­schen dem Vor­ha­bens­ziel und be­stehen­den Be­den­ken er­mög­licht.

So läuft es ab:

  • Die Pla­nungs­un­ter­la­gen wer­den min­des­tens vier Wo­chen lang öf­fent­lich aus­ge­legt, zum Bei­spiel in Rat­häu­sern oder Bür­ger­äm­tern, sie kön­nen aber auch on­line ein­ge­se­hen wer­den. Wann die Of­fen­le­gung be­ginnt, muss die Kom­mu­ne min­des­tens eine Wo­che vor­her öf­fent­lich be­kannt ge­ben. Zu­gäng­lich sind die aus­ge­leg­ten Pla­nun­gen der Deut­schen Bahn für alle in­ter­es­sier­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger.
  • Par­al­lel zur öf­fent­li­chen Aus­le­gung be­kom­men die Trä­ger öf­fent­li­cher Be­lan­ge so­wie an­er­kann­te Ver­bän­de (z. B. NABU oder BUND) die Un­ter­la­gen zur Ver­fü­gung ge­stellt.
  • Soll­ten Kom­mu­nen, Be­hör­den, Ver­bän­de oder Pri­vat­per­so­nen Ein­wän­de ge­gen die Pla­nun­gen der DB ha­ben, kön­nen sie bis vier Wo­chen nach Ende der Aus­le­ge­frist schrift­lich Ein­spruch ein­le­gen.
  • Die DB muss dann zu je­dem vor­ge­brach­ten Ein­wand Stel­lung neh­men. Die­se Stel­lungs­nah­men über­gibt sie dem Ei­sen­bahn-Bun­des­amt. Das EBA führt dar­auf­hin ent­we­der ei­nen Er­ör­te­rungs­ter­min durch, bei dem alle Sei­ten auf­ein­an­der­tref­fen oder ent­schei­det, auf ei­nen sol­chen Ter­min zu ver­zich­ten.

Schritt 4: Das Ei­sen­bahn-Bun­des­amt ent­schei­det

Auf Ba­sis der Pla­nungs­un­ter­la­gen der DB so­wie der Ein­wen­dun­gen bzw. Stel­lung­nah­men aus dem An­hö­rungs­ver­fah­ren prüft und be­wer­tet das Ei­sen­bahn-Bun­des­amt nun alle Un­ter­la­gen zum Aus­bau­pro­jekt: Ist das Bau­vor­ha­ben zu­läs­sig? Wer­den in den Pla­nun­gen die ge­setz­li­chen Vor­ga­ben vor al­lem zum Lärm-, Um­welt- und Denk­mal­schutz ein­ge­hal­ten? Dazu wägt das Ei­sen­bahn-Bun­des­amt zwi­schen den Ein­grif­fen durch das Vor­ha­ben und den öf­fent­li­chen und pri­va­ten In­ter­es­sen ab.

Schritt 5: Das EBA er­teilt den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss

Sieht das Ei­sen­bahn-Bun­des­amt alle recht­li­chen Be­lan­ge und In­ter­es­sen in aus­rei­chen­dem Maße in den Pla­nun­gen be­rück­sich­tigt so­wie die Rech­te Drit­ter nicht un­zu­läs­sig be­ein­träch­tigt, er­lässt es den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss. Wie beim Aus­bau der S 11, sind Bau­pro­jek­te oft in ein­zel­ne Pla­nungs­ab­schnit­te un­ter­teilt, um ein Vor­ha­ben so schnell wie mög­lich rea­li­sie­ren zu kön­nen. Häu­fig star­ten die­se zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten in ihr Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren. Die DB kann so beim ers­ten Ab­schnitt ins Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren ein­stei­gen, wäh­rend in den wei­te­ren Ab­schnit­ten noch tech­ni­sche De­tails ge­prüft wer­den.

Im An­schluss an die Er­tei­lung wird der Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ver­öf­fent­licht. Ein­wen­den­de ha­ben nun ei­nen Mo­nat lang die Mög­lich­keit, ge­gen den Be­schluss zu kla­gen. Wer­den kei­ne Kla­gen ein­ge­reicht, hat der Be­schluss „Be­stands­kraft“ er­langt und das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren ist of­fi­zi­ell ab­ge­schlos­sen. Dann kann die DB mit dem Bau­en be­gin­nen.

Quel­le: DB/go.Rhein­land